Im Seppli si Schtern




Im Seppli si Schtern

Eine Geschichte aus dem Alemannischen

 

Er ist eigentlich nicht dumm gewesen.

Vielleicht hätte man eher einfältig zu ihm sagen können.

Er hat Seppli geheißen und ist der Dorfdubel gewesen.

Eine alte, verrissene, blaue Uniformjacke hat er immer angehabt. Goldene Bändel, solche, die man zum Weihnachtspäckle zubinden nimmt, hat er drauf gehabt und alte Abzeichen von einem Feuerwehrmusiker. Die Bändel hat er an seine Hose genäht und an die alte Armeejoppe.

Er ist immer mit dem Müllwagen gegangen und hat den Müllmännern geholfen. Niemand hat man ihn gerufen. Niemand hat ihm etwas dafür geben. Er hat die schweren Mülltonnen geschleppt. Am liebsten die ganz schweren. Zurück hat er sie die Müllmänner tragen lassen. Den Müllmännern war es grad recht.

Wenn er an einer Beiz vorbeigekommen ist, dann hat er immer sein Sprüchle aufgesagt:

„Achtung! Meldung vom Herr Hauptmann! S‘ kommt  ein Stern. Er ist rot und hat acht Zacke!

Ende der Durchsage!“

Er hat das gemacht wie ein Soldat in der Kaserne – jeden Tag hat er es gemacht, zackig und sinnlos. Die Leut in der Beiz haben gelacht und der Wirt hat ihm einen Schnaps gegeben und hat zu ihm gesagt:

„Geh jetzt weiter, Seppli.“ –

Die Leut haben blöd mit ihm gemacht: Haben gesagt, da und dort ist der Stern, geh mal hin oder sie haben dies und das mit ihm gemacht und haben herzhaft gelacht, wenn er losmarschiert ist oder wenn er ebbis anderes Dummes gemacht hat.

Ein Abend in der Beiz war immer gelungen, wenn der Seppli aufgetaucht ist. Am meisten Gaudi haben sie gehabt, wenn sie ihn besoffen gemacht haben. Dann haben sie ihn exerzieren lassen. So wüst, dass er über die eigenen Füße geflogen ist.

Und der Seppli hat immer mit gemacht. Und er ist nie bös gewesen. In der Schule hat er auch schon für nen Zehner einen Käfer oder eine Schnecke runtergeschluckt. Und den Zehener hat dann nicht mal gekriegt. Er hat sich früh angewöhnt, am meisten zu lachen, wenn ihn die Leute veräppelt haben oder wenn die Kinder ihm nachgerufen haben: „Seppli-Däppli! Seppli-Däppli!“

 

Wie er dann älter geworden ist, haben ihm die Mädle den Kopf verdreht. Sie haben zu ihm gesagt: „Weißt Seppli, dich hab ich am liebsten. Gell, du kommst heut Abend hinter die Kirch und wartest auf mich.“

Da hat sich der arme Kerl hübsch gemacht und hat auf der Wiese noch einen Blumenstrauß für’s Mädle gepflückt. Und wenn er dann an die Kirche gekommen ist, dann stand da eine ganze Horde von Mädchen und Buben. Das, wo ihn bestellt hat, war natürlich auch da und dann haben sie ihn ausgelacht und haben schlimme Dinge gesagt…

Aber der Seppli ist jedes Mal gegangen, wenn ein Mädle ihm gesagt hat: „Wart auf mich…“

Und dann hat er auf einmal angefangen, von einem Stern zu erzählen, der kommen soll und dass die Leute sich dafür richten müssten. Und da hat er sich so reingesteigert, dass sie ihn schließlich haben fort bringen müssen. Wo er wieder zurück gekommen ist, war er stiller.

Von seinem Stern hat er nur noch in seinem Sprüchle geredet.

Der Wirt vom Gasthof hat ihn mal gefragt, wie es in der Anstalt gewesen ist. Da hat ihm Seppli geantwortet: „ Weißt du, der Professor hat gesagt, das gibt es nicht, dass ein Stern so mir nix dir nix kommt. So gibt zwar sogenannte Kometen, aber wenn die erst mal kommen, tut man des schon vorher wissen, bevor man sie mit dem Auge sehen kann. Und rote Stern mit acht Zacke gäb es überhaupt nicht.

Aber Alfred, ich glaub trotzdem, dass der Stern kommt und rot und achtzackig ist.“ –

Und im Gasthof ist es dann auch passiert:

Es ist am Weihnachtsabend so gegen fünf gewesen. Es ist eigentlich schon lange Nacht gewesen, weil es draußen geschneit hat. Seppli ist gekommen und hat sein Sprüchle aufgesagt. Der Wirt hat im seinen Wein gegeben, weil Weihnachten gewesen ist und gesagt: „Hock dich hin.“

Die Fremden am Tischkicker haben keine Notiz von ihm genommen. Am runden Stammtisch ist ein anderer fremder Mann gesessen. Der hat zum Seppli gesagt: „Seppli, der Stern ist draußen bei Winterberg.“

Da hat er den Kopf gehoben und hat den fremden Mann angeschaut. Hat seinen Wein ausgetrunken und gesagt: „Vergelt‘s Gott, Alfred!“ und hat gehen wollen.

„Seppli, es schneit doch draußen und kalt wird es auch heute Nacht. Der Herr hat doch nur einen Spaß gemacht. Bleib hier! Es ist so weit bis Winterberg. Seppli. Jetzt im Schnee brauchst du 3 Stunden und mehr. Und es ist Nacht.

 

Aber der Seppli ist gegangen. Nichts und niemand hätt ihn jetzt aufhalten können. Der Gastwirt hat das gewusst, weil die Leute ihn weiß Gott wohin schon überall geschickt haben, weil der Stern dort sei. –

„Das hätten Sie nicht machen dürfen! Der Kerl hat doch nichts Gescheites an und es so weit bis Winterberg!“

„Aber der Stern ist wirklich bei Winterberg.“

„Ja von wegen. Und wenn einer da wär, könnt man den vor lauter Schneewolken gar nicht sehen.“

„Er ist da. Unter den Wolken.“

Der Seppli ist die Straße runter gelaufen. Er hat gefroren an den Ohren, an der Nase, an den Händen, an den nassen Füssen. Die Nacht war finster und es hat geschneit.

Er ist nie mehr zurückgekehrt.




>>Gedanken von Annette Reppert ( Auszug aus der Weihnachtsansprache): 

Es wäre für jeden Menschen schön, wenn er einen Ort haben dürfte, an dem er sich wohl und geboren fühlt. Eine Heimat. Wir wissen allem dass es leider für viele Menschen nicht so ist. Es ist im ersten Augenblick eine verstörende Geschichte, die von einem einfältigen Mann erzählt.  Er ist einer, der von seiner Gemeinschaft in seiner Heimat hin und her gestoßen wird. Er wird zum Dubel, einer auf dessen kosten sich ander vergnügen. 


Warum macht er das wohl mit? Vielleicht ist die Antwort ganz einfach. Der Seppli möchte Teil der Gemeinschaft sein. Ein kleiner Teil - gar kein großer oder wichtiger Teil, aber einer mit Würdem denn er kann ja nichts dafür, dass er mit dem Denken und Begreifen langsamer ist. Seppli ist in seinem Dorf bestimmt der Geringste. 
Beständig sagt er sein Sprüchlein auf: "Der Stern kommt und er ist rot und hat acht Zacken." Er schämt sich nicht, wenn die anderen- die sogenannte Gemeinschaft ihn dafür auslacht. 
Weil er ganz fest an den Stern glaubt. Und jedes Mal, wenn er auf's Neue losmaschiert, dann hofft er ganz fest, dass der Stern erscheint. Jedes einzelne Mal. Schritt für Schritt. Denn wer nicht glaubt kann nicht hoffen. 

Wir glauben an viele Dinge. An die positive Prognose des Arztes, an den lang ersehnten Besuch der alten Freundin und wir hoffen, dass sich das alles erfüllt. Es sind alles Begebenheiten, die wir direkt spüren und begreifen können, wenn sie sich bewahrheiten. 

Am Weihnachtsabend, so erzählt es die Geschichte, geht Seppli noch einmal los in die kalte und ungestüme Nacht. Der Fremde vom Stammtisch sagte auch, dass der Stern hinter den Wolken sei- aber er ist da!

Doch das hat unser Held nicht mehr gehört. 

Er hat sich aufemacht, weil er unterschütterlich glaubt und hofft, dass er den roten achtzackigen Stern finden wird. Wie die Geschichte ausgeht erfahren wir nicht. 
Kommt er zurück?
Ist er im Schnee umgekommen?

Was wenn ja, stirbt dannsein Glaube und seine Hoffnung auch?

Und jetzt nehmen wir mal an, der Seppli ist gar kein Dubel, sondern- die anderen?

Heute begehen wir den Heiligen Abend. Nehmen Sie die Krippe als Symbol für irgendeine Heimat. Für Jesus war es seine erste Heimstatt. Lassen Sie uns ankommen an der Krippe.


Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten im Rahmen Ihrer Lieben. 

 


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